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EU-KARL - Herausforderung und Perspektiven für die Region
Herausgeber: Prof. Dr.-Ing. Jens Tränckner Urheber: Universität Rostock, Professur für Wasserwirtschaft Bandangabe: 134 Ort: Rostock ISBN: ISBN 978-3-86009-575-1 DOI: https://doi.org/10.18453/rosdok_id00004989 Seite: 1 - 134 Jahr: 2025
Einordung:
Institut: Professur Wasserwirtschaft
Abstract: Am 1. Januar 2025 trat die neue EU-Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser (2024/3019) (EU-KARL) in Kraft. Die Mitgliedsstaaten haben bis spätestens 31. Juli 2027 Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Die wesentlichen neuen Anforderungen sind - Die Pflicht zur Abwasserbehandlung auch für kleinere Gemeinden ab 1.000 Einwohnerwerten (bisher ab 2.000 Einwohnerwerten) - Höhere Anforderungen an die Nährstoffelimination - Einführung der sogenannten „Viertbehandlung“ für große Kläranlagen (ab 150.000 Einwohnerwerten) und für Anlagen ab 10.000 Einwohnerwerten in sogenannten Risikogebieten - Beteiligung der Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika an den Kosten der Viertbehandlung - Klare Energie- und Klimaziele mit dem finalen Ziel einer klimaneutralen Abwasserbehandlung ab 2045 - Verpflichtung zur Erstellung von Regenwasserbewirtschaftungsplänen mit Schwerpunkt auf Mischsysteme - Überwachungs- und Berichtspflichten, einschließlich web-basierte Daten-Bereitstellung für die Öffentlichkeit
Weiterhin wird die Abwasserwiederverwendung als strategisches Ziel formuliert und verpflichtet die Mitgliedsstaaten, die verfügbaren Möglichkeiten zu prüfen und zu fördern. Die EU-KARL geht damit weit über die bisherigen Regelungen hinaus und adressiert neue Fach- und Rechtsbereiche. Die konkrete Ausgestaltung dieser Anforderungen bedarf zum Teil noch weitergehender Detaillierungen. Weiterhin gibt es Bezüge zu parallel in Überarbeitung befindlichen rechtlichen Vorgaben, wie z.B. die Liste der prioritären Stoffe zur Wasserrahmenrichtlinie. Die rechtliche und regulatorische Harmonierung auf nationaler Ebene ist eine herausfordernde Aufgabe. Konkrete Wünsche an die Umweltpolitik wurden durch die großen wasserwirtschaftlichen Fachverbände und andere Interessengruppen formuliert. Doch wie ist der aktuelle Stand und wohin gehen die Planungen des Bundes? Parallel stellen sich Fragen zu den konkreten Herausforderungen der EU-KARL für die norddeutschen Regionen. So ist die Struktur der Abwasserbehandlung hier deutlich kleinteiliger als in den großen Ballungsräumen. Kläranlagen < 10.000 Einwohnerwerte dominieren nominell deutlich und tragen auch in der Summe zu einem großen Teil der Emissionen bei. Gerade in diesen ist aber die Umsetzung einer weitergehenden Nährstoffelimination oft herausfordernd. Aufgrund des geringen Fremdwasseranteils sind Zu- und Ablaufwerte der Anlagen i.d.R. deutlich höher als in anderen Regionen. Wo stehen wir heute, und werden angepasste, auf Eliminationsraten basierte Überwachungswerte möglich sein? EU-KARL lässt diese Option zumindest zu. Müssten kleinere Kläranlagen nicht auch in die Risikobewertung für eine Viertbehandlung einbezogen werden? Und wie soll eine sachgerechte Risikobewertung eigentlich aussehen? Wie herausfordernd ist eigentlich die vierte Reinigungsstufe im Betrieb? Wie sind die Erfahrungen anderer Betreiber, die solche Systeme bereits umgesetzt haben. Mit Ausnahme der größeren Städte dominiert im Norden das Trennsystem. Können wir uns hier also bezüglich EU-KARL entspannt zurücklehnen? Und wie passen eigentlich die Anforderungen der DWA-A 102-2 zu den neuen europäischen Anforderungen? Kleine Kläranlagen haben meist keine Möglichkeit zur Biogaserzeugung aus Klärschlamm. Auf der anderen Seite ist eine regenerative Energieerzeugung durch Windkraft und PV hier oft einfacher umsetzbar, lässt sich das zum Erreichen der Energieneutralität nutzen? Energie-Monitoring und Berichtspflichten für kleine Anlagen mit vertretbarem Aufwand umsetzbar? Und wie realistisch ist eine Abwasserwiederverwendung in der Landwirtschaft aus fachlicher und rechtlicher Perspektive? Gibt es Beispiele für eine gelungene Kooperation von Abwasserbetrieb und Landwirtschaft? Letztlich erfordern all diese Fragen auch eine vertrauensvolle und sachorientierte Zusammenarbeit der wasserwirtschaftlichen Aufgabenträger mit den zuständigen Behörden. Voraussetzung dafür sind gutes Fachwissen und informierte Diskussionsbereitschaft auf beiden Seiten. Auch dazu möchten wir mit dieser Veranstaltung beitragen. Wir hoffen, damit Impulse für eine wirksame und sachgerechte Umsetzung der EU-KARL in unserer Region zu setzen. Ausgehend von einer Darstellung zum aktuellen Diskussionsstand zur Umsetzung auf Bundesebene, werden unsere Referenten eine Einordnung gegenüber dem bereits erreichten Status quo vornehmen, Wege für eine strategische Umsetzung aufzeigen und in Fallbeispielen zielführende Maßnahmen illustrieren. Dieser Tagungsband fasst wie immer die Beiträge unserer Referenten zusammen. Ich wünsche dem Band eine interessierte Leserschaft. Ansprechpartner
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Letzte Änderung des Eintrages:
08.01.2026
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